Anfang der Woche… eine ehemalige Kollegin und ich ratschen bei einem Glas Weißwein. Sie berichtet von ihrem Vorgesetzten und beschwerte sich, wie unfähig er als Chef ist.
Auf mein „Warum“? machte sie eine kurze Personenbeschreibung:
Anfang, Mitte 40, seit 6 Jahren in Führung ohne jegliche Vorkenntnis oder Vorerfahrung, aber stetes hoch motiviert und liebevoller Chaot. Er tut alles für seine Teammitglieder, jedoch erst, wenn sie ihn auf charmante Art und dezent darauf hinweisen, dass etwas fehlt, oder erledigt werden muss. Er teilt keine Infos, setzt aber alle über seine bereits getroffenen Entscheidungen in Kenntnis und wundert sich, dass kein Applaus fällt….
So weit, so gut… Story bekannt, oder? Ich wette, dass viele jetzt denken: „ach, so´n Exemplar kenne ich auch.“ 😉 Und wem von euch kommen latent agressive Gefühle hoch? Und wer von euch sucht nach der Voodoo-Puppe, die stellvertretend vehement mit Nadeln tracktiert werden muss?
Nun, ma laaaaangsaaaam! 😉
Es gab mal eine Umfrage der Personalberatung Intersearch Executive Consultants, in der jeder dritte Befragte angab, mit seinem Boss unzufrieden zu sein. Die einen vermissten die Fähigkeit, zu motivieren, anderen mangelte es an Glaubwürdigkeit oder Persönlichkeit. Angeblich lästert jeder Deutsche im Schnitt vier Stunden pro Woche über seinen Chef (oder Chefin!). Und einer von drei Arbeitnehmern hält seine(n) Vorgesetzte(n) zumindest in einigen Punkten für inkompetent.
Bitter, bitter…oder?
Und jetzt kommen wir mal zu dir und deiner neuen Führungsrolle:
In der Regel warst du vorher auch Teammitglied und hast mit den KollegInnen über deine(n) Chef/Chefin gelästert. (Wer nicht???) Und jetzt bist du in der Verantwortung, ein brauchbarer Chef zu sein. Nur, wie geht das?
Reicht nicht schon die Reflexion auf das selbst Erlebte, um es besser zu machen? Nun ja, sagen wir mal so: wenn der Wille da ist, ist der Anfang gemacht. Umsetzung is aber wichtiger. 😉
Bye-Bye Lieblingsaufgaben!
Auch wenn du meinst, einige Aufgaben besser zu können, oder schneller erledigen zu können: lass´ deine KollegInnen ihren Job machen! Dafür werden sie ja auch schließlich bezahlt und sie möchten ihr Wissen ja auch anwenden. Teile dein Wissen, deinen Kenntnisstand, biete Hilfestellung an und sei als „Back-up“ da. Setze alle in Kenntnis und informiere über Projekte oder Abläufe. Delegiere die Aufgaben, die dein Team von dir übernehmen kann. Auch, wenn du tiefes Fachwissen vorweisen kannst. Bringe anderen dein Wissen und deine Erfahrung bei.
Dies hat mehrere Vorteile:
- dein Wissen wird genutzt, um es anzuwenden, zu vertiefen, zu erweitern oder zu erneuern
- gemäß dem Motto: „Sharing is caring“ (Teilen bedeutet kümmern) übernimmst du Verantwortung für deine Bereiche, deine Entscheidungen und dein Team und zeigst somit allen Beteiligten, wie wertvoll sie sind. Du teilst dein Wissen, um dich zu entlasten. Wunderbar, nicht wahr?
Blick´ noch einmal zurück: was waren denn deine Erwartungen an deine ehemaligen Vorgesetzten? Hast du ihnen Feedback gegeben? Oder sie um eine alternative Herangehensweise gebeten? Welches Verhältnis hättest du dir gewünscht, um sagen zu können: „Mein Chef, meine Chefin ist brauchbar!“
Was macht dich zum „brauchbaren“ Chef?
Ich freue mich auf den Austausch mit dir und über deine Erfahrungen, die du machen durftest.
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